Autorin

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08.04.2019

Dazwischengekommen

Eigentlich wollte ich schon längst wieder gebloggt haben.
Zwischen Abgabefristen, Korrekturlesen und kleineren Projekten ist es dann aber einfach passiert: das Leben.
Der Autor und seine Katze – das ist so ein Klischee. Bei mir traf es zu. Eher durch Zufall. Jemand hatte einen rot-weißen Kater im Urlaub in einer Mülltonne gefunden, konnte ihn nicht behalten und durch Umwege landete er bei uns und damit schließlich im grünen Süd-Westen Berlins, in einem Haus mit Garten und vielen Vögeln, die er aus sicherer Entfernung bestaunen konnte. 
Von Herman Hesse gibt es ein wunderbares Fotos, wie er auf allen vieren seiner geliebten Katze hinterher kriecht und wie oft habe ich mich selbst in eben jener Position wiedergefunden …
Ich kann nicht sagen, dass ich alle Katzen mag. Meine erste Begegnung mit einem Stubentiger war nicht sehr positiv. Der Kater meiner Großmutter, in meiner Erinnerung ein imposantes Tier, war mir nicht eben wohlgesonnen und so gerne ich ihn auch gestreichelt hätte, hat mir sein Fauchen doch gehörigen Respekt eingejagt und mich auf Abstand gehalten. 
Unser Kater war anders. Menschen mochte er durchweg und begrüßte sie mit einer fast hündischen Fröhlichkeit, während er kein anderes Tier neben sich im Haus duldete. Er war und blieb ein Einzelkater, der weder gern spielte, noch den großen Drang besaß, nach draußen zu gehen. Der Balkon war sein Revier. 
Dieser Kater war jedenfalls ein idealer »Mitschreiber«. Gern vernickerte er den Nachmittag auf einem Stapel ausgedruckter Kapitel, um nach dem Aufwachen mit der Pfote sanft den Bleistift hin- und herzurollen. 
So hätte es weitergehen können, von uns aus auch für immer. Und das haben wir auch viel zu lange geglaubt. Zwölf Jahre sind eine lange Zeit, in der man sich ganz gut aneinander gewöhnt und um die Eigenheiten des jeweils anderen weiß.
Am Ende war sein Herz im wahrsten Sinne des Wortes zu groß für diese Welt. Ich könnte jetzt so etwas Kitschiges schreiben wie: Seinen letzten Schlafplatz hat er unter dem knorrigen, alten Flieder gefunden, dort wo jetzt erst einmal die Forsythie blüht. 
Was durchaus wahr wäre, aber für mich befremdlich klingt. Am Ende bleibt aber nur der Gedanke, dass es nicht mehr ist wie bisher, dass Etwas fehlt und fehlen wird. 
Vielleicht wird der Kater irgendwann einmal in zwei, drei Sätzen durch eine meiner Geschichten streifen. Dann werde ich lächeln und ihm zuwinken.

Admin - 08:27 @ Persönlich, Karen | Kommentar hinzufügen