Autorin

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17.03.2019

Karen denkt über Pseudonyme nach

Eine liebe Freundin fragte mich neulich, warum ich überhaupt unter Pseudonymen veröffentliche. Eine gute Frage. Aber vor allem eine, die ich nicht ganz schnell beantworten kann. 

Manchmal wache ich als Aimée auf, werfe mir ein seidiges Negligé über, betupfe die zarte Stelle an meinem Hals mit »Teint de Neige« von Lorenzo Villoresi, nur, um ich dann lasziv in meinem Schreibtischstuhl zu räkeln und neue erotische Abenteuer zu ersinnen. 

Und manchmal setzt sich Annabell an den Schreibtisch und träumt vom Winter in Woody Creek, diesem entzückenden kleinen Örtchen in Colorado, in dessen Sportklinik Personal und Patienten gleichermaßen romantische Abenteuer bestreiten.

Schöne Vorstellung. 

Kommen wir zur Realität. 
Ich bin immer viele. Aimée schreibt anders als Karen, und Annabell anders als Aimée. Und natürlich sind das unterschiedliche Genres mit unterschiedlichen Regeln, unter Umständen auch anderen Lesern mit einer eigenen Erwartungshaltung. 

Pseudonyme sind wie Schubladen eines Wäscheschranks. Socken zu Socken, Hemdchen zu Hemdchen. 
Ideen, die ich habe, kann ich so auch leicht sortieren. Die eine Eingebung passt zu Karen, aber Annabell könnte das nie so schreiben, weil es nicht ins Genre gehört. Manches kann sich dann Aimée erlauben und so schließt sich der Kreis. 

Das ist das eine. 

Das andere ist, puh … Erotik eben. 
Erotik schreiben und ein bürgerlicher Beruf - passt nur bedingt. Guckt der Kollege in der Mittagspause jetzt so schräg, weil mir ne Nudel an der Nase hängt (no pun intended) oder hat er gestern vor dem Einschlafen noch ein Kapitel »Farben der Lust« gelesen? Hmpf. 
Gut ist: Jetzt, wo ich “nur” noch zu Hause schreibe, ist der Kater der einzige, der manchmal komisch guckt. Damit kann ich leben.

Jetzt könnte man weiterfragen: Warum schreibt man überhaupt Erotik, wenn man sich dafür hinter einem Pseudonym verstecken muss? 

Und das ist dann auch schon ein Thema für eine neue Folge. Bleibt dran, wenn es demnächst wieder heißt: Ruhe! Karen denkt nach.

Karen - 15:56 @ Persönlich, Schreiben, Karen | Kommentar hinzufügen